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· 7 Min Lesezeit · Nils Lappenbusch

Mail-Gateway vor Microsoft 365 — was DMARC, SPF und DKIM beim MX-Wechsel brauchen

Wenn der MX nicht mehr direkt auf Exchange Online zeigt, ändern sich SPF, DKIM und DMARC — inbound wie outbound. Enhanced Filtering for Connectors, ARC, Gateway-Signaturen und Weiterleitungen sauber gelöst.

Ein vorgelagertes Mail-Gateway vor Microsoft 365 ist Alltag: Archivierung, Verschlüsselung, ein zusätzlicher Filter, oder schlicht ein Anbieter, der das Paket «Mail-Security» als Managed Service liefert. Technisch ist der Wechsel schnell erledigt — MX umstellen, Connector anlegen, fertig. Was dabei regelmässig kaputtgeht, ist die Mail-Authentifizierung. Und zwar in beide Richtungen.

Dieser Artikel geht die drei Stellen durch, an denen ein Gateway SPF, DKIM und DMARC beeinflusst: eingehend, ausgehend und bei Weiterleitungen.

Das Grundproblem: Exchange Online sieht nur noch das Gateway

Ohne Gateway nimmt Exchange Online die Mail direkt vom sendenden Server an. Es sieht dessen IP-Adresse, prüft sie gegen den SPF-Record der Absenderdomain, prüft die DKIM-Signatur und wertet DMARC aus.

Mit Gateway sieht Exchange Online nur noch die letzte Station — also das Gateway. Das ist kein Fehler von Microsoft, so funktioniert SMTP. Die Folgen:

Prüfung Ohne Gateway Mit Gateway (ohne Anpassung)
SPF des Absenders gegen die echte Absender-IP gegen die Gateway-IP → schlägt fehl
DKIM des Absenders intakt bricht, sobald das Gateway den Inhalt ändert
DMARC sauber auswertbar fällt durch, weil SPF und DKIM fehlschlagen
Spoof- und Phishing-Erkennung volle Datenbasis arbeitet mit der falschen Quelle

Ohne Gegenmassnahme hast du also zwei Filter hintereinander, von denen der zweite (Exchange Online Protection bzw. Defender for Office 365) halb blind ist.

Inbound: Enhanced Filtering for Connectors

Microsoft hat dafür eine eigene Funktion: Enhanced Filtering for Connectors, auch Skip Listing genannt. Sie sagt Exchange Online: «Die IP des Gateways ist nicht die echte Quelle — schau eine Station weiter zurück.» Damit wird die Authentifizierung wieder explizit anhand der SPF-, DKIM- und DMARC-Records der Absenderdomain ausgewertet.

Konfiguriert wird das auf dem Inbound-Connector des Gateways — im Defender-Portal unter Email & Collaboration → Policies & Rules → Threat policies → Enhanced filtering oder per PowerShell:

# Erst mit einigen Pilot-Postfächern testen
Set-InboundConnector -Identity "Von Gateway" `
  -EFSkipLastIP $true `
  -EFUsers "pilot1@deine-firma.ch","pilot2@deine-firma.ch"

# Danach für die ganze Organisation (EFUsers leeren)
Set-InboundConnector -Identity "Von Gateway" -EFSkipLastIP $true -EFUsers $null

Wenn dein Gateway über mehrere Hops mit öffentlichen IPs läuft, nimmst du statt -EFSkipLastIP eine explizite Liste mit -EFSkipIPs.

Worauf du achten musst:

Ein Detail, das gern übersehen wird: Die Einstellung «Honor DMARC record policy» in der Anti-Phishing-Policy greift bei einem vorgelagerten Gateway nur, wenn Enhanced Filtering auf dem Connector aktiv ist. Ohne Skip Listing ignoriert Microsoft also faktisch das p=reject fremder Domains.

Den Connector abriegeln

Wenn der MX auf das Gateway zeigt, sollte auch nur das Gateway direkt bei Exchange Online einliefern dürfen. Angreifer kennen die *.mail.protection.outlook.com-Adresse deines Tenants und können das Gateway sonst einfach umgehen. Lösung: den Partner-Inbound-Connector auf die IP-Adressen oder das TLS-Zertifikat des Gateways einschränken (-RestrictDomainsToIPAddresses bzw. -RestrictDomainsToCertificate am Inbound-Connector). Die genauen IPs bzw. den Zertifikatsnamen liefert der Gateway-Anbieter.

ARC: wenn das Gateway Mails verändert

Viele Gateways verändern eingehende Mails: Betreff-Markierung [EXTERN], Warnbanner im Body, umgeschriebene Links, entfernte Anhänge. Jede dieser Änderungen bricht die DKIM-Signatur des Absenders.

Hier hilft ARC (Authenticated Received Chain). Das Gateway hält das ursprüngliche Prüfergebnis in einer signierten Kette fest (ARC-Seal, ARC-Message-Signature, ARC-Authentication-Results). Microsoft 365 kann dieses Ergebnis übernehmen — aber nur von vertrauenswürdigen ARC-Sealern, die du explizit einträgst:

Get-ArcConfig
# Achtung: ersetzt die bestehende Liste komplett
Set-ArcConfig -Identity Default -ArcTrustedSealers "gateway-anbieter.example"

Der Wert ist nicht deine eigene Domain, sondern der d=-Wert aus dem ARC-Seal-Header des Gateways. Am einfachsten: Testmail durchschicken, Header öffnen, d= ablesen. Ob es funktioniert, siehst du im Header ARC-Authentication-Results an arc=pass und oda=1, und in Authentication-Results an compauth=pass reason=130.

Zwei Grenzen: ARC überschreibt nur DMARC-Fehler, keine Spam-Bewertung. Und ARC hilft nur, wenn das Gateway nach seinen Änderungen versiegelt. Kann dein Gateway kein ARC, bleibt Enhanced Filtering der Weg.

Outbound: SPF und DKIM über das Gateway

Viele Gateway-Projekte routen auch den ausgehenden Verkehr über das Gateway — für Verschlüsselung, Disclaimer, DLP oder Archivierung. Dann schickt Exchange Online über einen Outbound-Connector (Smart Host) ans Gateway, und das Gateway liefert an die Empfänger aus.

SPF

Der Empfänger sieht jetzt die IP des Gateways. Die MAIL FROM-Adresse bleibt aber deine Domain. Also muss das Gateway in deinen SPF-Record:

; Vorher
deine-firma.ch.  IN TXT  "v=spf1 include:spf.protection.outlook.com -all"

; Nachher (Gateway-Include vom Anbieter)
deine-firma.ch.  IN TXT  "v=spf1 include:spf.protection.outlook.com include:spf.gateway-anbieter.example -all"

Den Microsoft-Include behältst du, solange noch irgendetwas direkt aus Exchange Online rausgeht — zum Beispiel, weil der Connector nur für einen Teil der Domains oder Empfänger gilt. Und denk an die 10-Lookup-Grenze von SPF: jedes include: zählt.

DKIM

Exchange Online signiert ausgehende Mails, bevor sie zum Gateway gehen. Solange das Gateway nichts am Inhalt ändert, bleibt die Signatur gültig. Sobald es aber einen Disclaimer, eine zentrale Signatur oder einen Banner anhängt, ist die Microsoft-Signatur kaputt.

Dann gibt es zwei saubere Wege:

  1. Das Gateway signiert selbst — mit einem eigenen Selektor unter deiner Domain (d=deine-firma.ch). Den öffentlichen Schlüssel veröffentlichst du als TXT- oder CNAME-Record, den der Anbieter vorgibt. Mehrere Selektoren parallel sind kein Problem.
  2. Das Gateway verändert nichts — Disclaimer und Signaturen werden dann in Exchange Online gesetzt, vor der Signatur.

Wichtig ist das Alignment: Für DMARC zählt nur eine DKIM-Signatur, deren d= zur Domain im sichtbaren From: passt. Eine Signatur mit d=gateway-anbieter.example ist zwar gültig, hilft deinem DMARC aber nicht.

Ob das Ergebnis stimmt, prüfst du in einer Minute mit dem Mail-Tester: Mail an die angezeigte Testadresse schicken, und du siehst SPF, DKIM und DMARC so, wie ein externer Empfänger sie sieht.

Weiterleitungen

Weiterleitungen sind der Klassiker für DMARC-Fehlalarme, auch ohne Gateway (siehe Weiterleiten oder umleiten?). Mit Gateway kommen zwei Aspekte dazu:

Die Checkliste für den MX-Wechsel

Bereich Massnahme
Inbound Enhanced Filtering for Connectors auf dem Gateway-Connector, erst Pilot, dann alle
Inbound SCL-−1-Transportregeln für das Gateway deaktivieren
Inbound Inbound-Connector auf Gateway-IPs oder -Zertifikat einschränken
Inbound ARC-Sealer des Gateways als vertrauenswürdig eintragen (falls ARC unterstützt)
Outbound Gateway in den SPF-Record, Lookup-Grenze prüfen
Outbound DKIM: Gateway signiert mit eigenem Selektor unter deiner Domain — oder ändert nichts
Outbound Testmail an den Mail-Tester, SPF/DKIM/DMARC prüfen
Monitoring DMARC-Reports vor, während und nach dem Cutover beobachten
Policy DMARC-Policy nicht gleichzeitig mit dem MX-Wechsel verschärfen

Der letzte Punkt verdient einen eigenen Artikel: Ablösung des Mail-Gateways — DMARC-Reports als Frühwarnsystem.

Was als nächstes

→ Domain jetzt prüfen — SPF, DKIM, DMARC, MX, MTA-STS und TLS-RPT auf einen Blick (kostenlos)

→ Threat Policies in Microsoft 365 testen — prüfen, ob der Filter nach dem Wechsel noch greift

→ Gateway-Wechsel begleiten lassen — Connector, Enhanced Filtering, ARC und DMARC in einem Durchgang

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